DE: Beitrag 14.04.2026

Vermischung und Klärung

Das Denkmal in St. Jakob/Šentjakob ist den Gefallenen des Abwehrkampfes
gewidmet. Sie sind bei den ungefähr sechs Monate dauernden Grenzkämpfen 1919 ums
Leben gekommen. Sie haben für die Zugehörigkeit Südkärntens zu dem, nach dem
Zerfall der Donaumonarchie, neugegründeten Staat Deutschösterreich, (ab 1920
Republik Österreich) gekämpft. Die Gefallenen des Abwehrkampfes erlebten die Zeit
des Nationalsozialismus nicht, sie waren also sicher keine Nazis.

Auf dem Denkmal werden seit 1960 Personen für ihren Beitrag zum „Abwehrkampf“
gewürdigt, die nicht gefallen sind. Bei der Rückführung des Denkmals in die Form von
1937 werden zwei Tafeln, auf denen diese ehemaligen Abwehrkämpfer geehrt werden,
entfernt. Weil sich zumindest vier von ihnen auf der Seite der Nazis engagiert hatten.
Ehemalige Nazis verdienen kein öffentlich würdigendes Andenken!

Schieflage der Erinnerungskultur

Es gibt in Kärnten/Koroška viele Denkmäler, die an Abwehrkampf und Volksabstimmung
erinnern, aber nur wenige sind dem Widerstand gegen das NS-Regime gewidmet.

Warum?

Der Widerstand gegen das Nazi-Regime reichte von, nach außen hin gezeigter
Ablehnung, über die Verbreitung von Flugblättern, Beteiligung an Sabotageakten,
Verstecken von Verfolgten bis zum bewaffneten Widerstand der Partisanen und
Partisaninnen. Die Entscheidung jedes/jeder einzelnen gegen das verbrecherische
NS-Regime Widerstand zu leisten war von Grund auf richtig und mutig. Viele verloren
in dem über Jahre andauernden Widerstand ihr Leben. Sie sind gefallen, oder kamen in
den Arbeits- und Konzentrationslagern, in den Tötungsanstalten und den
Hinrichtungsstätten der Nazis um.


Warum wird ihnen weniger an öffentliche Würdigung zu teil als den gefallenen
Abwehrkämpfern?

Behauptung 1:
Wegen der Verbrechen der Partisanen nach Kriegsende!

Klärung:


1. In St. Jakob/Šentjakob gab es keine »Verschleppungen«


2. Die vom NS-Regime ermordeten Widerstandskämpfer:innen konnten nicht an den
Verbrechen der Partisanen nach Kriegsende beteiligt gewesen sein. Ebenso wenig wie
die gefallenen Abwehrkämpfer an den NS-Verbrechen!

3. Die Verbrechen der Partisan:innen in Kärnten/Koroška sind in keiner Weise mit den
hier stattgehabten NS-Verbrechen vergleichbar, trotzdem sind sie zu verurteilen.

Behauptung 2:
Die Partisanen waren Kommunisten. Sie kämpften für eine Zughörigkeit zu Jugoslawien.

Klärung:

Der bewaffnete Partisanenwiderstand formierte sich in Jugoslawien als Reaktion auf
den Überfall Hitlers. Die Kärntner Slowen:innen haben sich in großer Zahl erst nach
dem Beginn der Deportationen dem Widerstand angeschlossen. Viele von ihnen
waren zutiefst katholisch und daher antikommunistisch.

(Nebenbei: Der Wunsch mancher Angehöriger der slowenischen Sprachgruppe nach
Zugehörigkeit zu Jugoslawien ist aufgrund der erlebten Ausgrenzung und Verfolgung
nachvollziehbar)


Zusammenfassung:

  • Die Gefallenen des Abwehrkampfes waren nicht an NS-Verbrechen beteiligt. In
    der gängigen Art der Erinnerungskultur werden Abwehrkämpfer generell
    hochgeachtet, die Rolle der (überlebenden) ehemaligen Abwehrkämpfer in der
    NS-Zeit wird vertuscht.
  • Zu Tode gekommene Partisan:innen waren nicht an Racheakten beteiligt. In
    der NS-Zeit Widerstandleistende werden bis heute generell eher negativ
    gesehen bzw. vergessen.

Der zum Geschichtsmythos aufgeblähte Abwehrkampf und die in den Vordergrund
gerückten Verbrechen der Partisan:innen verschleiern wie Vorhänge das hässliche Bild
der Mittäterschaft an den NS-Verbrechen.

Mit einem Hinschauen auf die Verbrechen kommen Täter und Opfer in den Blick. Unsere
Broschüre »In Erinnerung rufen, die NS-Opfer in der Gemeinde St. Jakob/Šentjakob«
trägt zu einer Behebung der Schieflage in der Kärntner Erinnerungskultur bei. Wenn die
Mittel vorhanden sind, soll bereits im Herbst dieses Jahres eine Baumreihe für die zu
Unrecht vergessenen Menschen aus der Gemeinde gepflanzt, und ihnen damit ein
würdiges Andenken geschaffen werden.

Wir freuen uns über Baumspenden.